Oldtimer

Ja, es gibt sie noch – seit mehr als einem halben Jahrhundert rollen die alten amerikanischen Schlitten durch Havanna. Immer noch bilden sie etwa die Hälfte des Straßenverkehrs in Kuba, cars of the 50s, manche aus 40ern oder selbst den 20er Jahren. Viele Wagen sehen aus wie neu – dank der Pflege ihrer Besitzer.

Die alten Wagen sind intensiv im Einsatz, vor allem als Sammeltaxi der einfachen Kubaner, „taxi collectivo“ genannt. Es kostet in der Regel 20 Peso national pro Fahrt, etwa 90 cent.  Diese Wagen sind alte Arbeitspferde, denen man die Jahrzehnte im Einsatz ansieht – es sind keine pink-weiß lackierten Touristenschlitten, wie sie vor den großen Hotels auf Kundenfang gehen. Dunkle Oldsmobile, Pontiac, Plymouth,  DeSoto, Chevrolet und Ford. Die häufigsten Farben: Eisenoxidrot, Schwarz, Blau und gedeckte Grüntöne. Eng gedrängt sitzt man im Inneren, die Verkleidung ist längst abgenagt.

Es gibt feste Linien, auf denen diese Taxis fahren. An der Calle Neptuno stellt man sich an die Straße und winkt einfach den nächsten Wagen heran.

Solange Neuwagen im sozialistischen Kuba unerschwinglich teuer sind, bleiben die alten Fahrzeuge wertvolle Schätze. Ständig sieht man ihre Besitzer unter der offenen Motorhaube bei der Reparatur. Viele Wagen haben längst neue Austauschmotoren, doch auch die alten Motoren entdeckt man noch. Sie fressen jede Menge Sprit, doch solange sich das Taxigeschäft rechnet, bleiben sie im Dienst. Ein Neuwagen kostet schnell einmal 100000 Dollar – oder noch mehr. Der durchschnittliche Monatsverdienst liegt bei etwa 600 bis 1200 Peso national , etwa 25 bis 50 Euro / Dollar. Hohe Importsteuern auf Neuwagen verhindern jede Veränderung.  Viele setzen Hoffnungen auf die  Sonderwirtschaftszonen wie  Mariel auf Kuba und Investitionen aus China. Die Billigmarke Geely soll in Zukunft einmal in  Kuba produziert werden. Zunächst wird der Ausbau des Containerhafens vorangetrieben und eher bescheidene Investitionen in wenige, neue Betriebe vorgenommen – wie zum Beispiel eine neue Zigarrenfabrik, berichtet der Blog Cuba Heute.

Wer selbst nach Kuba fährt und die besten Spots sucht, um die alten Wagen zu entdecken, sollte zu den Hauptlinien der Sammeltaxis gehen: an der Calle Neptuno, Calle San Lazaro, Parque el Curida (a major official car-pooling point).

Auch nach Jahren bin ich immer noch überrascht, wie genial, innovativ, abwechslungsreich  und ästhetisch das alte amerikanische Auto-Design war.

Oben: ein Champion Studebeker, der erste Studebaker nach dem Krieg, gebaut  1946 bis  1952.

Man entdeckt immer wieder seltene Marken wie Studebeker, Packard, Edsel doch die meisten Marken gehören zu den drei großen Autoherstellern  General Motors, Ford und Chrysler.

General Motors umfasst die Marken Chevrolet, Cadillac, Pontiac, Oldsmobile, Buick, Opel

Oldsmobile, jp

Pontiac hatte einen bernsteinfarbenen Indianerkopf im art deco Stil als Kühlerfigur.

 

Zweimal Buick: oben Buick Electra von 1960, unten ein Modell aus den 50ern

 

Chrysler gehörten die Marken Plymouth, Dodge, DeSoto

Plymouth oldtimer, jp

De Soto

 

Die ältesten Autos auf Havannas Straßen sind Ford-Modelle.

jp

Ford Taxi in Havanna, jp

…und Oldtimer-Motorräder gibt es auch

 

Das ganze Buch gibt es auf Anfrage: joopeter (at) gmx.de

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